Die Qual der Einstiegswahl

April 2017 - Einleger Printmedium VDI Nachrichten

Was spricht für den Berufseinstieg beim Hersteller? Und was für den Start beim Dienstleister? Verbaut man sich durch das Einschlagen des einen Weges den späteren Wechsel in den anderen? Wir fragten beim Hersteller BMW und beim Ingenieurdienstleister Excellence nach.

ingenieurkarriere, Düsseldorf, 21. 4. 17, ws

 

Der Dienstleister: Vera Calasan, CEO der Excellence AG in Düsseldorf

Ingenieurkarriere: Was sind die Vorteile und was die Nachteile des Berufseinstiegs beim Ingenieurdienstleister?

Calasan: Die spannenden Projekte sind von Vorteil. Das Internet of Things beschäftigt die Unternehmen branchenübergreifend. Software-Engineering und Robotik, die relevanten Schnittstellen zwischen Mechanik, Elektrotechnik und IT, all das kann man aktiv mitgestalten. Unsere Ingenieure sorgen dafür, dass die selbstfahrenden Fahrzeuge entscheiden, wann und wofür sie bremsen. Sie wirken indirekt an der Energiewende mit, indem sie die Software programmieren, die unsere Windräder steuern.

Es gibt keinen Nachteil? Das glaube ich nicht.


Wenn Sie so wollen, ist die Reisetätigkeit ein Nachteil. Aber nicht für Projektingenieure, deren Arbeitgeber über zahlreiche Standorte in Deutschland und anderen Ländern verfügt. Diese Projektingenieure fahren jeden Tag zur gleichen Arbeitsstelle wie jeder andere auch, nur mit stetig wechselnden Aufgabenstellungen.

Wie lange sind Berufseinsteiger bei Ihnen tätig, bevor sie in die Industrie wechseln?

Im Durchschnitt drei Jahre. Das ist vergleichbar mit kaufmännischen Berufen in der Beratungsbranche oder bei den großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Absolventen suchen den Berufseinstieg gerne dort, wo sie breites Fachwissen erlangen, um dann mit einem Markennamen und Berufserfahrung im Rücken in die Industrie zu gehen.

Wo liegen die Einstiegsgehälter?

Sie sind absolut vergleichbar mit denen in der Industrie. Den großen Unterschied machen Sonderzahlungen für Mehrarbeit und Mobilität aus. Darüber hinaus verdienen Absolventen unseres Hauses nach etwa drei Jahren regelmäßig mehr als ihre Kommilitonen, die in der Industrie gestartet sind. Sie haben in dieser Zeit dank vielseitiger Projekte ihr Wissensspektrum enorm verbreitert. Sie schätzen zudem das selbstbestimmte Arbeiten und den Freizeitausgleich.

Welche Akzeptanz haben Berufseinsteiger bei Ihren Kunden? Jubeln die über Köpfe voller neuem Wissen oder bevorzugen sie berufserfahrene Ingenieure?

Unsere Kunden schätzen vor allem die Erfahrung und Expertise unserer Ingenieure. Im Engineering ist es wie in allen Projektgeschäften. Der Mix macht es. Das bedeutet, dass wir als Dienstleister die geeignete Mischung aus branchenübergreifendem Know-how, Praxiserfahrung und aktuellem Fachwissen aus der Wissenschaft anbieten. Dadurch entstehen die besten Produkte und Dienstleistungen. So ist Apple erfolgreich geworden.

Verbauen sich junge Ingenieure, die ihr Berufsleben mit wechselnden Einsätzen bei den Kunden von Ingenieurdienstleistern beginnen, die Chancen auf eine Tätigkeit an ein und demselben Arbeitsplatz? Einmal Projektingenieur, immer Projektingenieur?

Das sehe weder ich so noch die Industrie – schon gar nicht angesichts der vielen Ingenieure, die im Projektgeschäft gestartet und später bei Herstellern gelandet sind. Ingenieure, die sich in Projekten bewiesen haben, haben technisch viel gelernt. Vor allem aber bringen sie bestimmte persönliche Fähigkeiten mit, die alle Unternehmen sehr schätzen. Es gibt Dinge, die man nur in Projekten lernt.

Welche zum Beispiel?

Projektingenieure sind in der Lage, komplexe Themen sehr schnell zu erfassen. Sie finden kreative Lösungsansätze, die zielsicher zu den bestmöglichen Ergebnissen führen. Sie lernen strukturiert und effizient zu arbeiten, weil sie am Ergebnis gemessen werden. Das haben sie im Projektgeschäft unter Beweis gestellt.

 

 

Der Hersteller: Andreas Batz, Leiter Personalmanagement der BMW Group in München

Ingenieurkarriere: Was ist Ihr Hauptargument, mit dem Sie um Ingenieure und Informatiker werben, die soeben die Hochschule verlassen haben? 


Batz: Wir stehen im Moment vor den wahrscheinlich spannendsten Herausforderungen in der Geschichte der Mobilität – ohne den Urvätern des Motorwagens die Größe ihrer Aufgaben absprechen zu wollen. Aber ganz ehrlich: Autonomes fahren, elektrisch, vernetzt und am Ende mit ganz neuen Mobilitätsmöglichkeiten für die Menschen, das ist schon ein historischer Umbruch, den es in diesem Ausmaß noch nie gegeben hat. Unser Anspruch ist es, diesen Wandel federführend mitzugestalten. Für junge Ingenieure und Informatiker ist das die Chance, in den Entwicklungsteams der BMW Group etwas zu schaffen, das wirklich die Zukunft prägen wird.

Wie mobil müssen junge Ingenieure bei Ihnen sein?

Unser Geschäft ist Mobilität. Die Herausforderungen dabei sind weltumspannend. Unsere Ingenieure sind deshalb nicht nur auf Fahrzeugerprobung am Polarkreis und im Death Valley unterwegs, sondern forschen auch in Megacities wie Schanghai und Los Angeles. Bei uns kann man sehr viel erleben in der Welt. Aber niemand muss sich Sorgen machen. Unsere Homebase ist München. Da wird das große Rad gedreht.

Gibt es neben dem Gehalt Sonderzahlungen, etwa für Mehrarbeit und Mobilität?

Wir bezahlen gut, und obendrein gibt es – wenn das Unternehmen erfolgreich ist – eine stattliche Erfolgsbeteiligung. Wir legen aber auch viel Wert auf Work-Life-Balance unserer Mitarbeiter. Deshalb bekommen sie für Mehrarbeit als Ausgleich Freizeit. Und allen, deren Job es erlaubt, bietet sich die Möglichkeit, mobil zu arbeiten. Mit flexiblen Arbeitszeiten und flexiblem Arbeitsort.

Wie werten Sie es, wenn Hochschulabsolventen nach dem Studium eine Zeit lang beim Ingenieurdienstleister gearbeitet haben?

Bewerber, die Branchenerfahrung in der Automobilindustrie gesammelt haben, haben in der Regel einen großen Vorteil – ganz egal, wo sie diese Erfahrung sammelten. Und Ingenieurdienstleister sind ein natürlicher Bestandteil der Fahrzeugentwicklung, genau wie Zulieferer. Deshalb ist auch dieser Weg in unsere Branche ein guter Weg.

Welche Akzeptanz haben Berufsneulinge in Ihren Fachabteilungen? Jubeln sie über Köpfe voller neuem Wissen oder bevorzugen sie berufserfahrene Ingenieure?

Ganz klar beides: Wir denken in vielen Bereichen neu und wollen dafür natürlich auch neue Ideen ins Unternehmen holen. Gleichzeitig sind wir aber in vielen Themen und Technologien sehr weit fortgeschritten und suchen deshalb erfahrene Ingenieure und IT-Spezialisten.

Wie lange sind Berufseinsteiger im Durchschnitt bei Ihnen tätig, bevor sie wechseln?

Bezogen nur auf Berufseinsteiger können wir das zwar nicht sagen, doch im gesamten Durchschnitt sind unsere Mitarbeiter mehr als 17 Jahre im Unternehmen. Das ist ziemlich lang, und das ist auch gut so. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich im Unternehmen zu verändern, sich weiter zu entwickeln und neue Herausforderungen anzunehmen. Da braucht man nicht zu wechseln. Wir arbeiten an sehr komplexen Produkten. Deshalb ist es für das Unternehmen und für die Mitarbeiter ein großer Vorteil, diese komplexen Produkte aus möglichst vielen unterschiedlichen Perspektiven zu kennen.

CHRISTINE DEMMER

 

 

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