„Wenn man nur will“

November 2017 - Porträt Vera Calasan im IHK-Magazin

Bildschirmfoto-2017-11-08-um-10.15.37.png

Porträtiert

Quelle: Artikel auf duesseldorf.ihk.de

Ein Tag im Leben von ... Vera Calasan ist Vorstandsvorsitzende des Ingenieurdienstleisters Excellence AG – und Fallschirmspringerin auf Weltniveau.

Das kann kein Zufall sein, da spielt die gut überlegte Unternehmensstrategie mit hinein. Wenn Vera Calasan ihren Schreibtisch verlässt, steht sie zehn Minuten später im Terminal des Flughafens. Bei 15 Firmenniederlassungen in Deutschland, den Niederlanden und Österreich befördert sich  die  Chefin des Dienstleistungsunternehmens mit dem ebenfalls wohlüberlegten und selbstverpflichtenden Namen Excellence auf direktem Weg in den Status einer Vielfliegerin. Tatsächlich erfüllt ihr auf Wachstum programmierte Standortnetz einen anderen, wichtigeren Unternehmenszweck: Schneller geht es kaum zu den Mitarbeitern an den Außenposten– und näher kann man bei der weit verstreuten Kundschaft auch nicht sein.

„DEUTSCHLAND, EIN WUNDERBARES LAND“

Excellence AG German Engineering heißt die Firma, an deren Spitze Vera Calasan steht. Spezialisiert auf Ingenieurleistungen für Digitalisierung ist sie eines der 69 Unternehmen, die sich in den vergangenen 15 Jahren mit 3.500 neuen Arbeitsplätzen in Düsseldorfs Airport City niedergelassen haben. Wenn irgendwann im kommenden Jahr das letzte noch freie Grundstück auf dem 232.000 Quadratmeter großen Gelände bebaut ist kann die Immobilientochter des Flughafens auch das vorläufig letzte Kapitel ihres Vorzeigeprojekts schließen. Vorläufig. Angesichts der starken Nachfrage sind die Stadtplaner dabei, den Weg für weitere Ansiedlungen frei zu machen. Das kommt Vera Calasan sehr gelegen. Die Nachfrage nach der Entwicklung von Automatisierungslösungen in den Bereichen Elektrotechnik, Embedded Software und Robotik steige stetig, sagte sie. Sie brauche den Platz für ihr Competence Center, um insbesondere Weltmarktführer des Mittelstands aus der Region zu unterstützen. Für sie programmieren die Experten von Excellence die Software zur Vernetzung des Smartphones mit dem Fahrzeug oder zur Verarbeitung von Massendaten für einen Energiekonzern zur Optimierung des Stromverbrauchs.

 

Vera Calasan stammt aus Montenegro. Als jüngste von vier Geschwistern ist sie Anfang der 1970er Jahre aus dem ehemaligen Jugoslawien, wo die Eltern für ihre Kinder keine gute Zukunft sahen, nach Deutschland gekommen. Ihre Sicht auf das Deutschland von heute ist die einer „Immigrantin, die das große Glück hat, hier zu leben“. Es sei ein wunderbares Land, in dem man sicher leben und seine Meinung frei äußern könne, sagt sie. „In dem alles möglich ist, Ausbildung, Beruf, das Ausleben von Interessen. Wenn man nur will.“

Dieses starke Wollen ist das herausragende Merkmal der 48-Jährigen. Nach der Schule in Leverkusen und einer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau hat sie an der Chicago University ein selbstfinanziertes zweijähriges MBA-Studium hingelegt. Das Geld dafür – heute 180.000 Euro an Studienkosten – hatte sie selbst erarbeitet. Darauf ist sie stolz. Nach einer rasend schnellen Karriere bei großen, international aufgestellten Unternehmen gründete sie 2013 mit ihrem Geschäftspartner Gerjan Mazenier das eigene Unternehmen. Gewusst wie: Eigenes Kapital, private Anleger und ein institutioneller Investor sorgten für das Startkapital. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)half mit einem Kredit zur Finanzierung des enormen Wachstums aus. Für beide Seiten sei diese Zusammenarbeit die reinste Freude gewesen, erinnert sich Calasan. Für Excellence ging es um das unkompliziert zugeschossene, wachstumsfördernde Kapital, für die Kreditanstalt abseits der sonst üblichen Abstützung insolvenzbedrohter Unternehmen um eine erfreulichere Investition in die Zukunft. Heute stehen auf der Gehaltsliste von Excellence 240 Mitarbeiter. Um 2020 herum sollen es mehr als 1.000 sein.

 

Bild-Vera-3.png

„Den Arbeitstag bestimmen die Mitarbeiter und die Kunden.“

 

„DÜSSELDORF, EINE WUNDERBARE STADT“

Vera Calasan fühlt sich in einem großen Teil dieser Welt zu Hause, mit dessen Erkundung ist sie noch nicht zu Ende. Jetzt aber singt sie ein hohes Lied auf Düsseldorf und seine Airport City, wie es die Firmenbosse in der Nachbarschaft nicht besser hinbekommen würden. Für sie alle waren die gleichen Standortkriterien ausschlaggebend: Kurze Wege zum Flughafen und seinem Fernbahnhof mit all den nationalen und internationalen Verbindungen, wenige Kilometer bis zu den Autobahnen, die Düsseldorf wie ein Viereck umschließen, dies alles in vorteilhafter Nähe zur Stadt. „Düsseldorf ist eine wunderbare Stadt“, freut sie sich. Frankfurt hat sie gleichermaßen in ihr Herz geschlossen, dort war sie ein Jahrzehnt zu Hause, in den Metropolen der Welt ist sie unterwegs.

„Düsseldorf ist groß genug und dennoch kann man sich schnell bewegen“, sagt sie als Firmenchefin, die ins Flugzeug wie andere in die Straßenbahn steigt. Dabei sieht sie nicht nur die schnellen Flug- und Zugverbindungen vor der eigenen Büro-Tür, sondern auch Nordrhein-Westfalen mit den meisten Dax-notierten   Konzernen in Deutschland „und den vielen Hidden Champions, die unsere Dienstleistung in Anspruch nehmen“. Diese übertragen den Düsseldorfern ganze Projekte und nutzen die disziplinübergreifende  Expertise  erfahrener  Ingenieure  für ihre Innovationen und Entwicklungsvorhaben. Dazu gehört beispielsweise der österreichische Motorradhersteller KTM beim Einsatz von Spezialisten, die es für ihn vor Ort nicht gibt, oder Daimler, dem es im Verein mit einem Roboter-Hersteller um die Optimierung der Software an den vollautomatischen Produktionsstraßen geht. Wen überrascht es da, dass Automotive-Ingenieure von Excellence auch im interdisziplinären Team mit Kunststoff-, Solar- und Flugexperten mithalfen, damit Bertrand Piccard die Erde im Solarflugzeug umkreisen konnte. Für Piccard, dem Spross der Abenteurerfamilie aus der Schweiz, empfindet Vera Calasan größte  Bewunderung,  die  Zusammenarbeit mit „Weltklasse-Leuten“ weiß sie zu schätzen. Dies auch außerhalb ihres Jobs: In Südkalifornien hat sie mit einem Team den aktuellen Weltrekord im Formationsspringen aufgestellt. Ihr Heimatverein ist Skydive Soest.

DIE  RICHTIGEN ZUSAMMENBRINGEN

Vera Calasan ist so etwas wie eine Bilderbuchchefin. Ihr Talent bestehe darin, die richtigen Leute zusammenzubringen und zu steuern, beschreibt sie sich. Dabei ist sie eine intensive Netzwerkerin, auch in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer und deren Fachausschüssen. Den „typischen Arbeitstag“ gebe es für sie nicht. „Den bestimmen die Mitarbeiter und die Kunden.“ Über ihr iPhone („mein ständiger Begleiter“) organisiert sie sich selbst. Ist sie auf Reisen, beantwortet sie jede Anfrage, jede Mail innerhalb von 24 Stunden. Wenn es sein muss, werden Werkverträge auch im Warteraum vor dem Einstieg in den Flieger entschieden. „Ich gebe klare Ziele vor und lasse den Menschen Raum für Kreativität“, ist ihre Maxime. Dass sie sich dabei dem Zyklus des Unternehmens, dem Markt, und auch den Bedürfnissen der Mitarbeiter anpassen muss, hat sie inzwischen gelernt. Düsseldorf, „die wunderbare Stadt“: Ist sie das für Vera Calasan auch in der Freizeit? Unbedingt, hier gehe sie gern mit Freunden aus, erzählt sie. Aber in Mülheim an Ruhr wohnt sie, im Grünen und direkt am Wasser. Beides könne ihr Düsseldorf zwar auch bieten, allerdings zu Preisen, die sie nicht bereit sei zu zahlen – zumal sie von zu Hause bis zum Flughafen mit dem Auto nur 20 Minuten benötige. Matthias Roscher

ADRESSE

Excellence AG
Peter-Müller-Straße 26
40468 Düsseldorf
Deutschland
info@excellence.ag

ADRESSE

Excellence AG
ZN Österreich
Innsbrucker Bundesstraße 71
5020 Salzburg
Österreich
austria@excellence.ag

ADRESSE

Excellence AG Engineering B.V.
Institutenweg 26
7521 PK Enschede

Niederlande
enschede@excellence.ag

Connect